Text-, Liedvorlagen, Bibelkonkordanzen und Besetzungsangaben
zu den geistlichen Kantaten, Oratorien & Passionen Johann Sebastian Bachs

 

BETA- FASSUNG

zurüc

Textdichter:

Barthold Heinrich Brockes , Hamburg 1712

Textdruck

Werkfassungen:

EZ:

London 1716/18

EA:

03. April 1719

Quelle:

Abschrift durch JSBach (S. 1 - 45) &CPEBach (S114/115) ~ 1746/1747, aber unvollständig,!
S. 45 - 19 im Zeitraum August 1748 - Oktober 1749 durch Bachs Kopist Nathanel Bammler (Hauptkopist H) komplettiert.
(Mit Teständerungen und zahlreiche Detailänderung, durch JSBach?)

 

GEORG FRIEDRICH HÄNDEL - BROCKES-PASSION HWV 48, 1719 - VBNI/H/1

DER FÜR DIE SÜNDEN DER WELT GEMARTERTE UND STERBENDE JESUS

in der Abschrift JSBachs, C.PEBach & N. Bammler.um 1746 - 1749

Oratorium
Passionale
Poesia di Brockes
et
Musica di Hendel.

VBN

 

 

01

--

Grave e staccato
Sinfonia

 

02

01

Coro
Soprano, Alto
Tenore, Basso
Oboe I&II
Violino I&II
Viola,
Basso continuo:

Kommet, ihr verworfnen Sünder;
Todeskinder, seht, hier stirbt das Leben.
Euer Tod soll mit ihm sterben,
sein Verderben wird euch Rettung geben.

Textänderung, durch JSBach?, Originaltext:

Mich vom Stricke meiner Sünden zu entbinden,wird mein Gott gebunden.
Von der Laster Eiterbeulen mich zu heilen, lässt er sich verwunden.
Es muß, meiner Sünden Flecken zu bedecken, eig’nes Blut ihn färben.
ja, es will, ein ewig Leben mir zu geben, selbst das Leben sterben.

03

02

Recitativo
Evangelista - Tenore
Basso continuo:

Als Jesus nun zu Tische saß,
und er das Osterlamm, das Bild von seinem Tod,
mit seinen Jüngern aße, nahm er das Brot,
und wie er es, dem Höchsten dankend, brach,
gab er es ihnen hin und sprach:

 

04

Accompagnato
Jesus - Basso,
Violino I&II, Viola:
Basso continuo:

Das ist mein Leib: Kommt, nehmet, esset,
damit ihr meiner nicht vergesset.

 

05

03

Larghetto
Aria
Tochter Zion
- Soprano,
Oboe d'amore I&II,
Basso continuo e Organo
:

Der Gott, dem alle Himmelskreise,
dem aller Raum zum Raum zu klein,
ist hier auf unerforschte Weise
in, mit und unter Brot und Wein,
und will der Sünder Seelenspeise,
O Lieb’! O Gnad’! O Wunder! sein.

 

06

 

Recitativo
Evangelista - Tenore
Basso continuo:

Und bald hernach nahm er den Kelch
und dankte, gab ihn ihnen und sprach:

Text bei Händel:

 

 

 




*Auf daß...

04

Accompagnato
Jesus - Basso,
Violino I&II, Viola:
Basso continuo:

Das ist mein Blut im Neuen Testament,
das ich für euch und viele will vergießen.
Es wird dem, der es wird genießen,
zur Tilgung seiner Sünden dienen.
Damit* ihr dieses recht erkennt,
will ich, daß jeder sich mit diesem Blute tränke,
damit er meiner stets gedenke.

07

wdh.
von
03

repetatur Aria la Strofa 2 in Soprano
Aria
Tochter Zion
- Soprano,
Oboe d'amore I&II,
Basso continuo e Organo
:

Gott selbst, der Brunnquell alles Guten,
ein unerschöpflich Gnadenmeer,
fängt für die Sünder an zu bluten,
bis er von allem Blute leer
und reicht aus diesen Gnadenfluten
uns selbst sein Blut zu trinken her.

 

08

05

a tempo giusto
Chorale - Die christliche Kirche
Soprano, Alto
Tenore, Basso
Oboe I&II
Violino I&II
Viola,
Basso continuo:

Ach, wie hungert mein Gemüte,
Menschenfreund, nach deiner Güte!
Ach, wie pfleg’ ich oft mit Tränen
mich nach dieser Kost zu sehnen!
Ach, wie pfleget mich zu dürsten
nach dem Trank des Lebensfürsten,
wünsche stets, daß mein Gebeine
such durch Gott mit Gott vereine!

Text: Johann Frank

09

Recitativo
Evangelista - Tenore
Basso continuo:

Drauf sagten sie dem Höchsten Dank,
und nach gesproch’nem Lobgesang
ging Jesus über Kidrons Bach

zum Ölberg, da er dann zu seinen
Jüngern sprach:

Jesus:

Ihr werdet all’ in dieser Nacht
euch an mir ärgern, ja, mich gar verLaßen.

 

10

06

Alla breve
Coro
Soprano, Alto
Tenore, Basso
Oboe I&II
Violino I&II
Viola,
Basso continuo:

Wir wollen alle eh’ erbLaßen,
als durch solch Untreu’ dich betrüben.

 

11

Recitativo (Jesus)

Es ist gewiß, denn also steht geschrieben:

 

12

07

Allegro ma non presto
Aria
Jesus
- Basso,
Violino I&II
Viola,
Basso continuo e Organo
:

Weil ich den Hirten schlagen werde,
zerstreuet sich die ganze Herde.

 

13

 

Recitativo

Petrus:

Aufs wenigste will ich, trotz allen Unglücksfällen,
ja, sollte durch die Macht der Höllen
die ganze Welt zu Trümmern geh’n,
dir stets zur Seiten steh’n.

Jesus:

Dir sag’ ich: Ehe noch der Hahn wird
zweimal kräh’n, wirst du schon dreimal mich verleugnet haben.

Petrus:

Eh’ soll man mich mit dir erwürgen und begraben,
Ja, zehnmal will ich eh’ erbLaßen,
eh’ ich dich will verleugnen und verLaßen.

Jesus:

Verziehet hier, ich will zu meinem Vater treten,
schlaft aber nicht, den es ist Zeit zu beten.

 

14

08

Adagio staccato
Aria
Jesus
- Basso,
Violino I&II
Viola,
Basso continuo e Organo
:

Mein Vater! Schau, wie ich mich quäle,
erbarme Dich ob meiner Not!
Mein Herze bricht, und meine Seele
betrübet sich bis an den Tod!

 

15

Recitativo (Jesus)

Mich drückt der Sünden Zentnerlast,
mich ängstiget des Abgrunds Schrecken,
mich will ein schlammiger Morast,
der grundlos ist, bedecken,
mir presst der Höllen wilde Glut
aus Bein und Adern Mark und Blut.
Und weil ich noch zu allen Plagen
muss Deinen Grimm, O Vater, tragen,
vor welchem alle Marter leicht,
so ist kein Schmerz, der meinem gleicht.

 

16

08a

Adagio
Aria Jesus - Basso,
Violino I&II
Viola,
Basso continuo e Organo
:

Ist’s möglich, daß Dein Zorn sich stille,
so Laß den Kelch vorüber gehn.
Doch müsse, Vater, nicht mein Wille,
Dein Wille nur allein gescheh’n.

 

17

09

Andante
Aria (Tochter Zion)

Sünder, schaut mit Furcht und Zagen
eurer Sünden Scheusal an,
da derselben Straf’ und Plagen
Gottes Sohn kaum tragen kann.

 

18

Recitativo
Evangelista - Tenore
Basso continuo:

Die Pein vermehrte sich mit
grausamem Erschüttern,'
so daß er kaum vor Schmerzen röcheln kunt,
man sah die schwachen Glieder zittern,
kaum atmete sein trockner Mund,
das bange Herz fing an so stark zu klopfen,
daß blut’ger Schweiß in ungezählten Tropfen
aus allen Adern drang,
bis er zuletzt, bis auf den Tod gequält,
voll Angst, zermartert, halb entseelt,
gar mit dem Tode rang.

 

19

10

Largo e staccato
Aria (Tochter Zion)

Brich, mein Herz, zerfließ in Tränen,
Jesus’ Leib zerfließt in Blut.
Hör sein jämmerliches Ächzen,
schau, wie Zung’ und Lippen lechzen,
hör sein Wimmern, Seufzen, Sehnen,
schau wie ängstiglich er tut!

 

20

Recitativo
Evangelista - Tenore
Basso continuo:

Ein Engel aber kam von den gestirnten Bühnen,
in diesem Jammer ihm zu dienen,
und stärket ihn. Darauf ging er, wo die Schar
der müden Jünger war,
und fand sie insgesamt in sanfter Ruh’;
Drum rief er ihnen ängstlich zu:

 

 

21

11

Arioso
Johannes - Alto
Jakobus - Alto
Petrus - Tenore
Jesus
- Basso,
Violino I&II
Viola,
Basso continuo e Organo
:

Jesus:

Erwachet doch! - Erwachet!

Petrus,

Wer ruft?

Johannes, Jakobus:

Ja, Herr, - ja!

Jesus:

Könnt ihr in dieser Schreckensnacht,
da ich sink’ in des Todes Rachen,
nicht eine Stunde mit mir wachen?
Ermuntert euch!

Petrus, Johannes & Jakobus:

Ja! Ja!

Jesus:

Ach, steht doch auf! Der mich verrät, ist da.

 

22

Recitativo
Evangelista - Tenore
Basso continuo:

Und eh’ die Rede noch geendigt war,
kam Judas schon hinein,
und mit ihm eine große Schar
mit Schwertern und mit Stangen.
nach dem Trank des Lebensfürsten,
wünsche stets, daß mein Gebeine
sich durch Gott mit Gott vereine!

 

23

12

Coro:
Greift zu, schlagt tot! Doch nein!
Ihr müsset ihn lebendig fangen.

 

24

Recitativo
Evangelista - Tenore
Basso continuo:

Und der Verräter hatte dieses ihnen
zum Zeichen Laßen dienen:

Judas:

Daß ihr, wer Jesus sei, recht möget wissen,
will ich ihn küssen,
und dann dringt auf ihn zu mit hellen Haufen.

 

25

13

Choro: (Chor der Kriegsknechte)

Er soll uns nicht entlaufen.

 

26

Recitativo

Judas:

Nimm, Rabbi, diesen Kuss von mir.

Jesus:

Mein Freund, sag, warum kommst du hier?

 

27

14

Aria (Petrus)

Gift und Glut,
Strahl und Flut,
ersticke, verbrenne, zerschmettre, versenke
den falschen Verräter voll mörd’rischer Ränke!
Man fesselt Jesum jämmerlich
und keine Wetter regen sich?
Auf denn, mein unverzagter Mut,
vergieß das frevelhafte Blut,
weil es nicht tut
Gift und Glut,
Strahl und Flut!

 

28

Recitativo (Jesus)

(Zu Petrus):

Steck nur das Schwert an seinen Ort;
denn wer das Schwert ergreift,
wird durch das Schwert erkalten.
Wie, oder glaubst du nicht, daß ich sofort
von meinem Vater in der Höhe
der Engel Hülfe könn' erhalten?
Allein es will die Schrift, daß es also geschehe.

Jesus (Zu den Kriegsknechten)

Ihr kommt mit Schwertern und mit Stangen
als einen Mörder mich zu fangen,
da ihr doch, wie ich eu gelhrt
'im Tenpel täglich angehört
und keiner hat sich je gelüsten Laßen,
mich anzufassen
allein, es muß nunmehr geschehn,
was die Propheten längst vorgesehn.

Jesus:

Verziehet hier, ich will zu meinem Vater treten,

schlaft aber nicht, denn es ist Zeit zu beten.

29

15

Allegro
Coro:

O weh! Sie binden ihn
mit Strick und Ketten!
Auf, Laßt uns fliehn
und unser Leben retten!

 

30

Recitativo (Petrus)

Wo flieht ihr hin? Verzagte, bleibt! Doch ach,
sie sind schon fort! Was fang ich an?
Folg’ ich den andern nach,
weil ich allein ihm doch nicht helfen kann?
Nein, nein! Mein Herz, nein, nein!
Ich Laß ihn nicht allein.
Und sollt’ ich auch mein Leben gleich verlieren,
will ich doch sehn, wohin sie Jesum führen.

 

31

16

Andante
Aria (Petrus)

Nehmt mich mit, verzagte Scharen,
hier ist Petrus ohne Schwert!
Laßt, was Jesus widerfährt,
mir auch widerfahren.

 

32

Recitativo
Evangelista - Tenore
Basso continuo:

Und Jesus ward zum Palast Caiphas’,
wo selbst der Priesterrat versammelt saß,
mehr hingerissen als geführet;
und Petrus, bald von Grimm
und bald von Furcht gerühret,
folgt’ ihm von ferne nach.
Indessen war der Rat doch nur umsonst geflissen,
durch falsche Zeugen ihn zu fangen;
derhalben Caiphas also zu Jesus sprach:

Caiphas:

Wir wollen hier von dem, was du begangen,
und deiner Lehre Nachricht wissen.

Jesus:

Was ich gelehrt, ist öffentlich gescheh’n,
und darf ich es ja dir nicht hier erst sagen,
du kannst nur die, so mich gehöret, fragen.

Ein Kriegsknecht:

Du Ketzer, willst dich untersteh’n,
zum Hohenpriester so zu sprechen?
Wart, dieser Schlag soll deinen Frevel rächen!

 

33

17

Ardito
Aria (Tochter Zion)

Was Bärentatzen, Löwenklauen
trotz ihrer Wut sich nicht getrauen,
tust du, verruchte Menschenhand!
Was Wunder, daß in höchster Eile
der wilden Wetter Blitz und Keile
dich Teufelswerkzeug nicht verbrannt!

 

34

Recitativo
Evangelista - Tenore
Basso continuo:

Dies sahe Petrus an, der draußen bei dem Feuer
sich heimlich hingesetzt. Indem kam eine Magd,
die gleich, sobald sie ihn erblickte, sagt:

Ancilla 1:
Ich schwöre hoch und teuer,
daß dieser auch von Jesus’ Schar!

Petrus:
Wer? Ich?
Nein, wahrlich nein, du irrest dich.

Evangelist:
Nicht lang hernach fing noch ein’ andre an:

Ancilla 2:
Soviel ich mich erinnern kann,
bist du mit dem, der hier gefangen,
viel umgegangen.

Petrus
Welch toll Geschwätz,ich weiß nicht,
was du sagest, ich kenne wahrlich seiner nicht,

Evangelist:
Gleich drauf sagt ihm ein' andre ins Gesicht:

Ancilla 3:
Du bist fürwahr von seinen Leuten
und suchst umsonst dich weiß zu brennen,
im Garten warst du ihm zur Seiten,
auch gibt's die Sprache zu erkennen.

 

35

18

Allegro
Arioso (Petrus)

Ich will versinken und vergeh’n,
mich stürz’ des Wetters Blitz und Strahl,
wo ich auch nur ein einzig Mal
hier diesen Menschen sonst geseh’n!

 

36

Recitativo
Evangelista - Tenore
Basso continuo:

Drauf krähete der Hahn.
Sobald der heiser Klang
durch Petrus’ Ohren drang,
zersprang sein Felsenherz, und alsbald lief,
wie Moses’ Fels dort Wasser gab,
ein Tränenbach von seinen Wangen ab,
wobei er trostlos rief:

Petrus:
Welch ungeheurer Schmerz bestimmet mein Gemüt!
Ein kalter Schauder schreckt die Seele;
die wilde Glut der dunklen Marterhöhle
entzündet schon mein zischendes Geblüt!
Mein Eingeweide kreischt auf glimmen Kohlen.
Wer löschet diesen Brand?
Wo soll ich Rettung holen?

 







 



bestürmet mein Gemüt!

37

19

Largo e staccato
Aria (Petrus)

Heul, du Schaum der Menschenkinder!
Winsle, wüster Sündenknecht!
tränen Quellen sind zu schlecht,
weine Blut, verstockte Sünder.

 

38

Recitativo (Petrus)

Doch wie? Will ich verzweifelnd untergeh’n?
Nein, mein beklemmtes Herz,
mein schüchternes Gemüte
soll meines Jesu Wundergüte und Gnad’ anfleh’n.

 

39

20

Largo e staccato
Aria (Petrus)

Schau, ich fall’ in strenger Buße,
Sündenbüßer, dir zu Fuße,
Laß mir deine Gnad’ erscheinen!
daß der Fürst der dunklen Nacht,
der, da ich gefehlt, gelacht,
mög’ ob meinen Tränen weinen!

 

40

21

Largo
Chorale - Die christliche Kirche
Soprano, Alto
Tenore, Basso
Oboe I&II
Violino I&II
Viola,
Basso continuo:

Ach, Gott und Herr,
wie groß und schwer
sind mein’ begang’ne Sünden!
Da ist niemand,
der helfen kann,
in dieser Welt zu finden.

Zu Dir flieh’ ich,
verstoß mich nicht,
wie ich’s wohl hab verdienet.
Ach, Gott, zürn nicht,
nicht ins Gericht,
Dein Sohn hat mich versühnet.

 

41

 

Recitativo
Evangelista - Tenore
Basso continuo:

Als Jesus nun, wie hart man ihn verklagte,
auch nichts zu allem sagte,
da fuhr ihn Caiphas mit diesen Worten an:

Caiphas:

Weil man nichts aus dir bringen kann
und du nur auf die Aussag’ aller Zeugen
antwortest mit verstocktem Schweigen,
beschwör’ ich dich bei Gott, uns zu gesteh’n,
ob du seist Christus, Gottes Sohn?

Jesus:

Ich bin’s! Von nun an werdet ihr zur rechten Hand
der Kraft und auf der Wolken Thron
mich kommen seh’n.

Caiphas:

O Lästerer! Was dürfen wir
nun weiter Zeugnis führen?
Ihr könnt es jetzo selber spüren,
wes er sich hat erkühnt. Was dünket euch?

Evangelist:

Drauf rief der ganze Rat sogleich:

 

22

Allegro
Coro

Er hat den Tod verdient!

42

23

Allegro
Aria (Tenor)

Erwäg, ergrimmte Natternbrut,
was deine Wut und Rachgier tut!
Den Schöpfer will ein Wurm verderben,
ein Mensch bricht über Gott den Stab!
Dem Leben sprecht ihr’s Leben ab,
des Todes Tod soll durch euch sterben!

 

43

Recitativo
Evangelista - Tenore
Basso continuo:

Die Nacht war kaum vorbei,
die müde Welt lag noch im Schlaf versenkt,

 

44

24

Larghetto
Aria (Tochter Zion)

Meine Laster sind die Stricke,
seine Ketten meine Tücke,
meine Sünden binden ihn.
Diese trägt er, mich zu retten,
damit ich der Höllen Ketten mög’ entflieh’n.

 

45

Recitativo (Judas)

O, was hab’ ich verfluchter Mensch getan!
Rührt mich kein Strahl?
Will mich kein Donner fällen?
Brich, Abgrund, brich, eröffne mir
die düst’re Bahn zur Höllen!
Doch ach, die Höll’ erstaunt ob meinen Taten,
die Teufel selber schämen sich!
Ich Hund hab’ meinen Gott verraten.

 

46

25

Ardito
Aria (Judas)

Laßt diese Tat nicht ungerochen,
zerreißt mein Fleisch, zerquetscht die Knochen,
ihr Larven jener Marterhöhle!
Straft mit Flammen, Pech und Schwefel
meinen Frevel,
daß sich die verdammte Seele ewig quäle.

 

47

Recitativo (Judas)

Unsäglich ist mein Schmerz, unzählbar
meine Plagen!
Die Luft beseufzt, daß sie mich hat genährt;
die Welt, dieweil sie mich getragen,
ist bloß darum verbrennenswert;
die Sterne werden zu Kometen,
mich Scheusal der Natur zu töten;
dem Körper schlägt die Erd’ ein Grab,
der Himmel meiner Seel’ den Wohnplatz ab.
Was fang ich dann, verzweifelter, verdammter Mörder, an?
Eh’ ich mich soll so unerträglich kränken,
will ich mich henken!

 

48

26

Adagio
Aria (Tochter Zion)

Die ihr Gottes Gnad’ versäumet
und mit Sünden Sünden häuft,
denket, daß die Straf’ schon keimet,
wann die Frucht der Sünden reift.

 

49

Recitativo
Evangelista - Tenore
Basso continuo:

Wie nun Pilatus Jesum fragt,
ob er der Juden König wär, sprach er:

Jesus:

Du hast’s gesagt.

 

50

27

Allegro
Coro (Chor des hohen Rats und der Ältesten)

Bestrafe diesen Übeltäter,
den Feind des Kaisers, den Verräter!

Pilatus:

Hast du denn kein Gehör?
Vernimmst du nicht, wie hart sie dich verklagen
und willst du nichts zu deiner Rettung sagen?

Evangelist:

Er aber sagte nichtes mehr.

 

51

28

Allegro
Duetto

Tochter Zion:

Sprichst du denn auf dies Verklagen
und das spöttische Befragen,
ewig Wort, kein einzig Wort?

Jesus:

Nein, ich will euch jetzo zeigen,
wie ich wiederbring’ durch Schweigen,
was ihr durch’s Geschwätz verlort.

Tochter Zion:

Sprichst du denn auf dies Verklagen
und das spöttische Befragen,
ewig Wort, kein einzig Wort?

 

52

Recitativo
Evangelista - Tenore
Basso continuo:

Pilatus wunderte sich sehr,
und weil von den Gefang’nen auf das Fest,
er einen pflegte loszuzählen,
bemüht’ er sich aufs Best’,
daß sie von ihm und Barrabas,
der wegen eines Mord’s gefangen saß,
doch möchten Jesum wählen.
Allein der Haufe rief mit grässlichem Geschrei:

 

29

Allegro
Coro

Nein, diesen nicht, den Barrabas gib frei!

Recitativo (Pilatus)

Was fang ich dann
mit eurem sogenannten König an?

30

Coro

Weg! Laß ihn kreuzigen!

Recitativo (Pilatus)

Was hat er denn getan?

31

Coro

Weg! Laß ihn kreuzigen!

53

Recitativo
Evangelista - Tenore
Basso continuo:

Wie er nun sah,
daß dies Getümmel nicht zu stillen,
so rief er endlich „Ja“
und übergab ihn ihrem Willen.
als Jesus abermal, in Ketten eingeschränkt
und mit abscheulichem Geschrei,
ward nach Pilatus hingerissen.

 

54

32

Allegro
Recitativo/Arioso (Tochter Zion)

Besinne dich, Pilatus, schweig, halt ein!
Vermeide doch der Höllen Schwefelflammen!
Soll Gottes Sohn von dir verurteilt sein?
Willst du, Verdammter, Gott verdammen?
Will deine freche Grausamkeit
der toten Welt ihr Leben,
der Engel Lust, den Herrn der Herrlichkeit
verworf’nen Schergen übergeben?
Dein Bärenherz ist felsenhart,
solch Urteil abzufassen!
Soll Gott erbLaßen?
Ich wund’re mich, du Zucht der Drachen,
daß dir in dem verfluchten Rachen
die Zunge nicht erschwarzet und erstarrt!

 

55

Recitativo
Evangelista - Tenore
Basso continuo:

Drauf zerreten die Kriegsknecht’ ihn hinein
und riefen, ihre Wut mehr anzuflammen,
die ganze Schar zusammen;
die banden ihn an einen Stein
und geißelten den zarten Rücken
mit nägelvollen Stricken.

 

56

33

Arioso (Gläubige Seele)

Ich seh’ an einen Stein gebunden
den Eckstein, der ein Feuerstein
der ew’gen Liebe scheint zu sein;
denn aus den Ritzen seiner Wunden,
weil er die Glut im Busen trägt,
seh’ ich, so oft man auf ihn schlägt,
so oft mit Strick und Stahl die Schergen auf
ihn dringen,
aus jedem Tropfen Blut der Liebe Funken springen.

 

57

Recitativo (Gläubige Seele)

Drum, Seele, schau mit ängstlichem Vergnügen,
mit bitt’rer Lust und mit beklemmtem Herzen,
dein Himmelreich in seinen Schmerzen,
wie dir auf Dornen, die ihn stechen,
des Himmels Schlüsselblumen blühn!
Du kannst der Freuden Frucht
von seiner Wermut brechen.
Schau, wie die Mörder ihn
auf seinem Rücken pflügen,
wie tief, wie grausam tief sie ihre Furchen ziehn,
die er mit seinem Blut begießet,
woraus der toten Welt des Lebens Ernt' entsprießet!
Ja, ja, aus Jesu Striemen fließt ein Balsam,
dessen Wunderkraft
von soclher sltnen eigenschaft,
daß er sein' igne nicht,
nur fremde Wunden heilet,
uns Leben, Lust und Trost,
ihm selbst den Tod erteilet.

 

58

34

Aria (Gläubige Seele)

Dem Himmel gleicht sein buntgefärbter Rücken,
den Regenbögen ohne Zahl
als lauter Gnadenzeichen schmücken,
die, da die Sündflut uns’rer Schuld verseiget,
der holden Liebe Sonnenstrahl
in seines Blutes Wolken zeiget.

 

59

Recitativo
Evangelista - Tenore
Basso continuo:

Wie nun das Blut mit Strömen von ihm rann,
da zogen sie ihm einen Purpur an
und krönten ihn, zu desto größer’m Hohn,
mit einer Dornenkron’.

 

60

35

Aria (Tochter Zion)

Die Rosen krönen sonst der rauen Dornen Spitzen;
wie kommt’s, daß hier ein Dorn
die Sarons Rose krönt?
Da auf den Rosen sonst Aurora Perlen trän’t,
fängt hier die Rose selbst Rubinen an zu schwitzen,
ja wohl, erbärmliche Rubinen,
die aus geronnen Blut auf Jesus’ Stirne stehn!
Ich weiß, ihr werdet mir
zum Schmuck der Seele
und dennoch kann ich euch
nicht ohne Schrecken sehn.

 

61

Recitativo (Tochter Zion)

Verwegner Dorn, barbar’sche Spitzen!
Verwildert Mordgesträuch, halt ein!
Soll dieses Hauptes Elfenbein
dein spröder Stachel ganz zerritzen?
Verwandelt euch vielmehr in Stahl und Klingen,
durch dieser Mörder Herz zu dringen,
die Tiger, keine Menschen sein!
Doch, der verfluchte Strauch ist taub;
hör, wie mit knirschendem Geräusch
sein Drachenzähnen gleiches Laub
durchdringet Sehnen, Adern, Fleisch!

 

62

36

Aria (Tochter Zion)

Laß doch diese herbe Schmerzen,
frecher Sünder, dir zu Herzen,
ja durch Mark und Seele gehn!
Selbst die Natur fühlt Schmerz und Grauen,
ja sie empfindet jeden Stich,
da sie der Dornen starre Klauen so jämmerlich
in ihres Schöpfers Haupt sieht eingedrücket stehn.

 

63

Recitativo (Tochter Zion)

Die zarten Schläfen sind bis ans Gehirne
durchlöchert und durchbohrt.
Schau, Seele, schau,
wie von der göttlich schönen Stirne,
gleich einem purpurfarb’nen Tau,
der vom gestirnten Himmel sich ergießt,
ein laut’rer Bach von blut’gem Purpur fließt!

 

64

37

Aria (Tochter Zion)

Jesu, dich mit unsern Seelen
zu vermählen,
Ja, du gießest in die Glut
statt des Öls, für heiße Triebe,
dein vor Liebe wallend’ Blut.

 

65

Recitativo
Evangelista - Tenore
Basso continuo:

Drauf beugten sie
aus Spott vor ihm die Knie
und fingen lachend an zu schreien:

 

 

38

Coro:

Ein jeder sei ihm untertänig!
Gegrüßet seist du, Judenkönig!

66

Recitativo
Evangelista - Tenore
Basso continuo:

Ja, scheueten sich nicht, ihm ins Gesicht zu speien.

 

67

39

Aria (Tochter Zion)

Schäumest du, du Schaum der Welt,
speit dein Basiliskenrachen,
Brut der Drachen,
dem, der alle Ding’ erhält,
Schleim und Geifer ins Gesicht,
und die Höll’ verschlingt dich nicht?

 

68

Recitativo
Evangelista - Tenore
Basso continuo:

Worauf sie mit dem Rohr,
das seine Hände trugen,
sein schon blutrünstig’ Haupt zerschlugen.

 

69

Recitativo (Tochter Zion)

Bestürzter Sünder, nimm in Acht
des Heilands Schmerzen! Komm, erwäge,
wie durch die Heftigkeit der Schläge
der beulenvolle Scheitel kracht;
wie sie sein heil’ges Hirn zerschellen,
wie seine Taubenaugen schwellen!
Schau, sein zerrauftes Haar,
das vor mit Tau gesalbt und voller Locken war,
ist jetzt von Eiter nass und klebt von dickem Blut!
Dies alles duldet er bloß dir zugut.

 

70

40

Aria (Tochter Zion)

Heil der Welt, dein schmerzlich Leiden
schreckt die Seel’ und bringt ihr Freuden,
du bist ihr erbärmlich schön!
Durch die Marter, die dich drücket,
wird sie ewiglich erquicket,
und ihr graut, dich anzusehn.

 

71

Recitativo
Evangelista - Tenore
Basso continuo:

Wie man ihm nun genug
Verspottung, Qual und Schmach hatt’ angetan,
riss man ihm ab den Purpur, den er trug,
und zog ihm drauf sein’ eigne Kleider an
und endlich führeten sie ihn,
daß sie ihn kreuzigten, zur Schädelstätte hin.

 

72

41

Aria

Tochter Zion:

Eilt, ihr angefocht’nen Seelen,
geht aus Achsaph’s Mörderhöhlen,
kommt!

Gläubige Seelen: Wohin?

Tochter Zion:

Nach Golgatha.
Eilet auf des Glaubens Flügel,
fliegt!

Gläubige Seelen:

Wohin?

Tochter Zion:

Zum Schädelhügel,
eure Wohlfahrt blühet da.
Kommt!

Gläubige Seelen:

Wohin?

Tochter Zion:

Nach Golgatha.

 

73

Recitativo (Maria)

Ach Gott! Ach Gott! Mein Sohn
und die vorüber gingen,
die lästerten und trieben
Gespött mit ihm, wie auch die bei ihm hingen:

 

74

42

Duetto

Maria:

Soll mein Kind, mein Leben sterben,
und vergießt mein Sohn sein Blut?

Jesus:

Ja, ich sterbe dir zugut,
dir den Himmel zu erwerben.

 

75

Recitativo
Evangelista - Tenore
Basso continuo:

Und er trug selbst sein Kreuz.

Tochter Zion:

Ach, herbe Plagen,
ach Marter, die man nicht erzählen kann!
Musst du, mein Heiland, dann
das Holz, das dich bald tragen soll, selbst tragen?
Du trägst es, ja, und niemand hört dich klagen.

 

76

43

Aria (Tochter Zion)

Es scheint, da den zerkerbten Rücken
des Kreuzes Last, der Schergen Ungestüm
zu Boden drücken,
er danke mit gebognen Knien,
dem großen Vater, daß er ihm
das lang verlangte Kreuz verliehn.

 

77

Recitativo
Evangelista - Tenore
Basso continuo:

Wie sie nun an die Stätte, Golgatha mit Namen,
mit Jesus kamen,
ward er mit Gall’ und Wein getränkt,
und endlich gar ans Kreuz gehenkt.

 

78

44

Aria (Gläubige Seele)

Hier erstarrt mein Herz und Blut,
hier erstaunen Seel’ und Sinnen!
Himmel, was wollt ihr beginnen?
Wisst ihr, Mörder, was ihr tut?
Dürft ihr Hund’, ihr Teufel wagen,
Gottes Sohn ans Kreuz zu schlagen?

79

Recitativo (Gläubige Seele)

O Anblick, o entsetzliches Gesicht!
Wie scheußlich wird mein Seelenbräutigam
von diesen Bütteln zugericht’t!
Jetzt reißen sie das unbefleckte Lamm,
wie Tiger, voller Wut, zur Erden.
Ach schau! Jetzt fängt man an, mit grässlichen Gebärden,
ihm Hand und Fuß, ihm Arm und Sehnen
erbärmlich auszudehnen,
mit Stricken auszuzerren, mit Nägeln anzupflöcken,
daß man an ihm fast alle Beine zählt!
Ach Gott! Ich sterbe schier vor Schrecken,
und werde fast durch’s bloße Seh’n entseelt!

 

80

45

Chorale - Die christliche Kirche
Soprano, Alto
Tenore, Basso
Oboe I&II
Violino I&II
Viola,
Basso continuo:

O Menschenkind, nur deine Sünd’
hat dieses angerichtet,
da du durch die Missetat
warest ganz zernichtet.

Johann Rist

81

Recitativo
Evangelista - Tenore
Basso continuo:

Sobald er nun gekreuzigt war,
da losete die Schar
der Kriegesknecht’ um sein Gewand;
und über seinem Haupte stand:
„Der Judenkönig“ angeschrieben;
und die vorübergingen,
die lästerten und trieben
Gespott mit ihm, wie auch die bei ihm hingen:

 

82

46

Coro: (Chor des Volks und der Mörder)

Pfui! Seht mir doch den König an!
Bist du ein solcher Wundermann,

Das Volk

so steig herab vom Kreuz;

Die Mörder

so hilf dir selbst und uns;

Beide

so wissen wir’s gewiss.

 

83

Recitativo
Evangelista - Tenore
Basso continuo:

Und eine dicke Finsternis,
die nach der sechsten Stund’ entstand,
kam übers ganze Land.

 

84

47

Aria (Gläubige Seele)

Was Wunder, daß der Sonnen Pracht,
daß Mond und Sterne nicht mehr funkeln,
da eine falbe Todesnacht
der Sonnen Sonne will verdunkeln!

 

85

Recitativo
Evangelista - Tenore
Basso continuo:

Dies war zur neunten Stund’. Und bald hernach
rief Jesus laut und sprach:
Eli! Eli! Lama Asaphtani!
Das ist, in unsrer Sprach’ zu fassen:
Mein Gott, mein Gott,
wie hast du mich verLaßen!
Darnach, wie ihm bewusst,
daß alles schon vorbei,
rief er mit lechzendem Geschrei:
Mich dürst’t!

 

86

48

Arioso (Gläubige Seele)

Mein Heiland, Herr und Fürst!
Da Peitsch’ und Ruten dich zerfleischen,
da Dorn und Nagel dich durchbohrt,
sagst du ja nicht ein einzig Wort.
Jetzt hört man dich zu trinken heischen,
so wie ein Hirsch nach Wasser schreit:
Wonach mag wohl den Himmelsfürsten,
des Lebens Wasser Quelle, dürsten?
Nach uns’rer Seelen Seligkeit.

 

87

Recitativo
Evangelista - Tenore
Basso continuo:

Drauf lief ein Kriegsknecht hin, der
einen Schwamm,
mit Essig angefüllet, nahm
und steckt’ ihn auf ein Rohr
und hielt ihn ihm zu trinken vor.
Hierauf rief Jesus laut mit ganzer Macht:
Es ist vollbracht.

 

88

49

Terzetto (Gläubige Seelen)

O Donnerwort! O schrecklich Schreien!
O Ton, den Tod und Hölle scheuen,
der ihre Macht zu Schanden macht!
O Schall, der Stein und Felsen teilet,
wovor der Teufel bebt und heulet,
wovor der düst’re Abgrund kracht!
Es ist vollbracht!

O selig’s Wort! O heilsam’ Schreien!
Nun darfst du, Sünder, nicht mehr scheuen
des Teufels und der Höllen Macht.
O Schall, der unser’n Schaden heilet,
der uns die Seligkeit erteilet,
die Gott uns längst hat zugedacht!
Es ist vollbracht!

 

89

Recitativo

Gläubige Seele:
O selig, wer dies glaubt
und wer, wenn seine Not am größten,
sich dieser Worte kann getrösten!

 

90

Recitativo
Evangelista - Tenore
Basso continuo:

Drauf neiget er sein Haupt.

91

50

Duetto

Tochter Zion:

Sind meiner Seelen tiefe Wunden
durch deine Wunden nun verbunden?
Kann ich durch deine Qual und Sterben
nunmehr das Paradies erwerben?
ist aller Welt Erlösung nah?

Gläubige Seele:

Dies sin der Tocjter Zions Fragen.
Weil Jesus nun nichts kann vor Schmerzen sage,
so neiget er sein Haupt und winket: Ja!

 

91

Recitativo

Tochter Zion:

O Großmut! O erbarmendes Gemüt!

Evangelist:

Und er verschied.

 

93

51

Aria (Gläubige Seele)

Brich, brüllender Abgrund, zertrümm’re, zerspalte!
Zerfall, zerreiß, du Kreis der Welt!
Erzittert, ihr Sterne, ihr himmlischen Kreise,
erschüttert und hemmet die ewige Reise!
Du helle Sonn’, erlisch, erkalte!
Dein Licht verlischt, und eure Stütze fällt.

 

94

Recitativo

Gläubige Seele:

Ja, ja, es brüllet schon in unterird’schen Grüften;
es kracht bereits der Erden Grund;
des finstern Abgrunds schwarzer Schlund
erfüllt die Luft mit Schwefeldüften.

Hauptmann:

Hilf Himmel, was ist dies?
Ihr Götter, wie wird mir zu Mut?
Es fällt die Welt in schwarze Finsternis,
in Dust und Nebel schier zusammen.
O weh! Der Abgrund kracht
und speiet Dampf und Glut,
die Wolken schüttern Blitz,
die Luft gebieret Flammen,
der Fels zerreißt, es bersten Berg und Stein:
Sollt Jesus’ Tod hieran wohl Ursach’ sein?
Ach ja! Ich kann aus allen Wundern lesen:
Der Sterbende sei Gottes Sohn gewesen!

 

95

52

Aria (Gläubige Seele)

Wie kommt’s, daß, da der Himmel weint,
da seine Klüfte zeigt des blinden Abgrunds Rachen,
da Berge bersten, Felsen krachen,
mein Felsenherz sich nicht entsteint?
Ja, ja, es klopft, es bricht: Sein Sterben
reißt meine Seel’ aus dem Verderben.

 

96

53

Accompagnato (Gläubige Seele)

Bei Jesus’ Tod und Leiden leidet
des Himmels Kreis, die ganze Welt;
der Mond, der sich in Trauer kleidet,
gibt Zeugnis, daß sein Schöpfer fällt;
es scheint, als lösch’ in Jesus’ Blut
das Feu’r der Sonnen Strahl und Glut.
Man spaltet ihm die Brust. Die kalten Felsen spalten,
zum Zeichen daß auch sie
den Schöpfern sehn erkalten.
Was tust denn du, mein Herz?
Ersticke Gott zu Ehren,
in einer Sündflut bittrer Zähren!

 

97

54

Chorale - Die christliche Kirche
Soprano, Alto
Tenore, Basso
Oboe I&II
Violino I&II
Viola,
Basso continuo:

Mein’ Sünd’ mich werden kränken sehr,
mein G’wissen wird mich nagen,
denn ihr’ sind viel wie Sand am Meer,
doch will ich nicht verzagen;
gedenken will ich an den Tod;
Herr Jesu, deine Wunden rot,
die werden mich erhalten.

 

98

55

Aria (Tochter Zion)

Wisch ab der Tränen scharfe Lauge,
steh, sel’ge Seele, nun in Ruh’!
Sein ausgesperrter Arm
und sein geschlossen Auge
sperrt dir den Himmel auf
und schließt die Hölle zu!

 

99

56

Coro- Die christliche Kirche
Soprano, Alto
Tenore, Basso
Oboe I&II
Violino I&II
Viola,
Basso continuo:

Ich bin ein Glied an deinem Leib,
des tröst’ ich mich von Herzen;
von dir ich ungeschieden bleib’
in Todesnot und Schmerzen.
Wann ich gleich sterb’, so sterb’ ich dir,
ein ewig’s Leben hast du mir
mit deinem Tod erworben.

 

bach-enblem

Copyright © 2002 - by Jochen Grob Alle Angaben ohne Gewähr.

Fehler und Irrtümer vorbehalten

Quellen siehe Literaturverzeichnis

Impressum - Datenschutz - Copyright